Abbitte - Schneiden in der Kamera
Der sogenannte lange Master Shot, oder “Schneiden in der Kamera”, wie man es nennen könnte, ist im allgemeinen eine Abkehr einer frontalen Kameraaufstellung aus dem Theater.
“Schneiden in der Kamera” enthält keine sichtbaren Schnitte. Eine ausgefeilte Choreographie der Bewegungen der Kamera und der Figuren ist notwendig, um solch einen langen Mastershot “durchzuziehen”.
Schon viele Regisseure haben mit dieser Technik rumexperimentiert. Vorallem Alfred Hitchcock, welcher in “Cocktail für eine Leiche” mit lediglich zehn Einstellungen trotz voller Spielfilmlänge auskommt. Ursprünglich wollte Hitchcock diesen Film ohne einen einzigen Schnitt umsetzen, musste jedoch seine Ansprüche herunterschrauben und sich mit diesen zehn Einstellungen zufriedengeben.
Für die damalige Zeit aber auch eine weit aus größere Herausforderung als heute.
Im Interview mit Francois Truffaut (”Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?”, erschienen 1966) erzählt Hitchcock über diverse Schwierigkeiten, um einen Film in einer einzigen Einstellungen abzudrehen. Eine davon war die länge der Filmrolle, welche damals nach zehn Minuten ausgewechwelt werden musste.
Kurz vor dem Ende der Filmrolle, mussten die Figuren in ihren Positionen und Bewegungen so lange verharren, bis die neue Filmrolle eingesetzt wurde und weiter gedreht werden konnte.
In Joe Wright’s neuestem Werk “Abbitte” (Originaltitel: Atonement, 2007, Großbritannien) gibt es auch eine sogenannte “Schneiden in der Kamera” Szene:
Robbie Turner (gespielt von James McAvoy), britischer Soldat im 2. Weltkrieg, kommt an der Sammelstelle am Strand von Dünkirchen an, um zurück nach England zu kehren. Die Kamera begleitet seine Ankunft und schildert dabei die Situation am Strand, fängt aber immer wieder das Gesicht von James McAvoy ein. Seine Mimik und seine Blicke werden so zu einem Spiegel des Grauen und Schrecken des 2. Weltkrieges, welches sich auf den Einzelnen ausübt.
Die Szene läuft 5:05 Minuten lang, was an sich schon eine Leistung ist. Doch man betrachte die Massen von Menschen und dessen Geschehen. Ich will nicht wissen, wie lange diese Planung gedauert hat. Eine ausgesprochene Meisterleistung.
Ich kann mir Vorstellen, dass es für so einen Aufwand nur einen Versuch gab, in dem alles perfekt klappen musste. Und das ist auch wirklich gelungen.
Leider ist die Einbettung dieser Szene auf YouTube deaktiviert, doch hier ist der Link:
Atonement - The Long One Take Shooting

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- Published:
- 18.09.08 / 3pm
- Category:
- Analyse, Filmgeschichte, Know How










