Drehbuchautor - Ein undankbarer Job
Nicht selten wird in einer Filmvorschau groß angekündigt: “Von dem Regisseur von…” oder “Von den Machern von…”. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals einen Trailer gesehen habe, wo gesagt wurde: “Vom Drehbuchautor von…”!
Wie Irving Thalberg (Filmproduzent) schon gesagt hat: “Die Autoren sind die wichtigsten Leute in Hollywood. Aber wir dürfen sie das nie wissen lassen.”
In der Tat, Drehbuchautoren haben wenig Anerkennung, was durchaus unberechtigt ist. Ohne ein gutes Buch kann kein guter Film gemacht werden. Das Drehbuch ist die Basis eines Filmes. Doch wird dies häufig in der Öffentlichkeit übersehen.
Viele DVDs haben diverse Extras. Gerne schaue ich mir die Interviews an. Regisseur, Produzent und Schauspieler erzählen begeistert von der Entstehung des Filmes. Was ist mit dem Drehbuchautor? Hat der etwa nichts zu sagen? Vielmehr wird das Gefühl vermittelt, als hätten Regisseur und Schauspieler die Geschichte selbst entwickelt, den Charakteren Leben eingehaucht. Dies ist auch richtig, doch alle diese Leute hatten doch ein Drehbuch als Grundlage.
Die Schauspieler sind mehr oder weniger in der Produktion anwesend, was die kürzeste Phase ist. Die Vor- und Nachproduktion ist ein durchaus längerer Prozess. Und was wohl ein sehr langer Prozess ist: Ein Buch schreiben!
Würde ein Drehbuchautor auf dem Set auftauchen, wo gerade SEINE Geschichte umgesetzt wird, so würde er im überspitzen Sinne Kommentare wie “Was will denn der hier?” oder “Wer ist denn das überhaupt?” hören.
Die missliche Lage in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung, in der sich Drehbuchautoren heute befinden, führt zum großen Teil auf die 50er Jahre in Frankreich zurück.
Der Film wurde lange nicht als Kunst anerkannt, sondern als Gemeinschaftsprodukt angesehen. Kunst ist meistens ein Produkt von einem einzelnen Schöpfer. Um den Film in die Ebene der Kunst zu heben, propagierten berühmte Filmemacher wie Francois Truffaut, Jean-Luc Godard und Eric Rohmer in der Zeitschrift “Cahiers du Cinéma” für die These, dass allein der Regisseur als Schöpfer eines filmischen Werks anzusehen sei.
Diese Thesen wurden in den 60ern in den USA aufgegriffen. Der Filmkritiker Andrew Sarris sorgte für die Popularität dieser Thesen und rückte die Rolle einzelner Regisseure in den Mittelpunkt.
In gewisser Weise haben Truffaut und Co ihr Ziel erreicht. Film ist Kunst, sehe ich auch so, nur ist da wohl jemand etwas zu kurz gekommen: Der Drehbuchautor!
Der Regisseur Alejandro González Inárritu ist ein gefeierter Mann. Schon sein Debutfilm “Amores Perros” war ein Hit. Danach folgte “21 Grams”, wie sein letztes Werk “Babel”. Diese drei Filme stechen durch ihre Geschichte hervor. Verschiedene Handlungsstränge, die komplex miteinander verstrickt sind, in einer Struktur, welche die tragischen Schicksale unterschiedlicher Protagonisten betont.
Und ganz nebenbei: Die Drehbücher für diese drei Filme schrieb GUILLERMO ARRIAGA! Schon mal den Namen gehört?
Den Abspann wird man wohl auch nicht gelesen haben, denn sobald dieser im Kinosaal erscheint, stehen ja alle sofort auf, als ob sie es verdammt eilig hätten (haben aber gerade drei Stunden Zeit gehabt, um sich Babel anzusehen).
Ohne gute Bücher wird es keine guten Filme geben. Und die Arbeit die hinter so einem Drehbuch steckt, hat durchaus mehr Anerkennung verdient.
Und wie wir ja alle schon mitbekommen haben: Wenn die Autoren keine Lust mehr haben, dann gibt es auch keine Oskar-Verleihung!
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- Published:
- 16.10.08 / 12am
- Category:
- Drehbuch, Filmgeschichte










